· Pressemitteilung

Notfalltreffpunkte und Bevölkerungsschutz im Fokus: Krisenvorsorge gemeinsam denken

„Wir sind gut vorbereitet, aber im Notfall trägt jeder einzelne Verantwortung.“ Einen Kompaktkurs in Sachen Bevölkerungsschutz mit einer klaren Botschaft vermittelten Landkreis, Stadt Waiblingen und DRK am Donnerstag bei einem Vortrag des Resilienz-Zentrums des DRK zum Thema „Mein Anlaufpunkt im Notfall – der Notfalltreffpunkt“. Der Appell an die Eigenverantwortung stand im Fokus – kombiniert mit wichtigen Hinweisen für den Ernstfall. 

„Wer hilft im Notfall?“ Mit dieser Frage eröffnete Kreisbrandmeister Pascal Dölle seine Vorstellung des Bevölkerungsschutzes im Rems-Murr-Kreis. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst nannten die Zuhörer – und natürlich die Hilfsorganisationen wie DRK und THW. In Baden-Württemberg ist die Notfallrettung durch hauptamtliche Strukturen gewährleistet. Zu den hauptamtlichen Kräften zählen der Kreisbrandmeister sowie die beiden weiteren Referenten der Stadt Waiblingen: der stellvertretende Feuerwehrkommandant Jonas Philipp (Geschäftsbereich Brand- und Bevölkerungsschutz) und Lisa Haußner (kommunales Krisenmanagement). Sie sind Teil des bestehenden Hilfeleistungssystems. Überrascht zeigten sich die Gäste, dass der Bevölkerungsschutz in Deutschland zu 95 Prozent ehrenamtlich getragen wird. Das engagierte Ehrenamt von Feuerwehr, THW und Hilfsorganisationen wie dem DRK bilde das Fundament des Bevölkerungsschutzes im Landkreis. 

 „Warnmix"

Die Bewältigung einer Krise beginnt mit einem funktionierenden Warnsystem. Das habe man im Rems-Murr-Kreis in den vergangenen Jahren optimiert, schilderte Pascal Dölle. Auslöser waren die Ereignisse im Ahrtal. Galten Sirenen bis vor kurzem noch als Auslaufmodell, wurden in den vergangenen Jahren allein im Landkreis über 140 Sirenen installiert. Weitere sind im Aufbau, so dass es nach aktuellem Stand 190 Sirenen geben wird. Sirenen, Cellbroadcast, Lautsprecher, Warn-Apps wie NINA, Radio und TV sind Teil des sogenannten „Warnmixes“, mit dem über verschiedene Kanäle möglichst viele Menschen erreicht werden sollen. Doch was passiert im Notfall, wenn zu Hause Strom, Heizung, Handynetz und Internet ausfallen? Da helfen unter anderem die kommunalen Notfalltreffpunkte, Informationstafeln, Funkgeräte und Notstromaggregate auf behördlicher Seite. Entscheidens sei aber auch die Eigenvorsorge der Bürger.

Im Rems-Murr-Kreis entfallen auf 440.000 Einwohner rund 5.000 qualifizierte Einsatzkräfte aus den Blaulichtorganisationen, zählte Pascal Dölle auf. Der Kreis sei hinsichtlich Personal, Einsatzfahrzeugen und kritischer Infrastruktur sehr gut aufgestellt. Im Alltag funktioniere das Netz der Hilfe. In einer Großschadenslage jedoch könnten Behörden und Hilfsorganisationen keine Rundumversorgung sicherstellen. Bei einem länger anhaltenden flächendeckenden Stromausfall etwa müsse priorisiert werden. Der zentrale Führungsstab müsse sich ein Lagebild verschaffen: Wer schwebt in Lebensgefahr? Wie kann die kritische Infrastruktur geschützt und dauerhaft sichergestellt werden? Welche vulnerablen Gruppen gibt es? „Jeder zu Hause muss sich vorbereiten“, hielt Pascal Dölle fest, „denn die verfügbaren Helfer können nicht überall sein.“

 „Es ist wichtig, dass die große Mehrheit für einen gewissen Zeitraum eigenständig agieren kann“

Die Mitarbeiter der Stadt Waiblingen stellten dar, dass die Kommunen in Schadenslagen erste Anlaufstelle für die Bürger sind, mit Schwerpunkt auf Information und Koordination von Hilfe. Ein wichtiger Baustein sind kommunale Notfalltreffpunkte, die im Vorfeld festgelegt, bekannt gemacht und im Bedarfsfall schnell eingerichtet werden. Je nach Größe der Kommune gibt es mehrere solcher Anlaufstellen. Sie sollen bei großflächigen Schadenslagen Informationen, Kommunikationsmöglichkeiten und eine grundlegende Basisversorgung bieten, etwa zum Absetzen eines Notrufs, gegebenenfalls Aufwärmen oder zum (Teil-) Laden von wichtigen elektronischen Geräten, sagte Lisa Haußner. Zugleich machten die Verantwortlichen deutlich, dass solche Einrichtungen keine Versorgung großer Menschenmengen leisten können. „Es ist wichtig, dass die große Mehrheit für einen gewissen Zeitraum eigenständig agieren kann“, betonte Jonas Philipp. Erfahrungsgemäß benötige nur ein kleiner Teil der Bevölkerung unmittelbar Hilfe, etwa bei Evakuierungen und Unterbringungen.

Lebensmittel, Trinkwasser, Batterien, aufgeladene Powerbanks, Schlafsack, Decken und Kurbel-Radios zählten die Zuhörer auf Nachfrage auf, wie eine individuelle Vorbereitung aussehen sollte. Das Resilienz-Zentrum des DRK bietet regelmäßig Kurse zum Thema Notfallvorsorge an, betonte DRK-Referentin Beate Wichtler. Dazu gehöre, grundsätzlich wichtige Dokumente schnell parat zu haben. 

Lisa Haußner betonte, wie wichtig die Vernetzung und Absprachen innerhalb der Nachbarschaft in einer Notlage sind. In einer Großschadenslage seien Selbstvorsorge und gegenseitige Unterstützung zentrale Elemente. Individuelle Notfallvorsorge und Vernetzung, Kenntnisse in Erster Hilfe und die Arbeit der Behörden müssten im Notfall ineinandergreifen, um eine Krise gemeinsam gut zu meistern. Zentral sei es, vor der Krise ins Handeln zu kommen und die Bürger zu informieren und nicht zu verängstigen. „Bevölkerungsschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe“, wiederholte Pascal Dölle die zentrale Botschaft.

Info: Das Resilienz-Zentrum des DRK-Kreisverbandes bietet regelmäßig kostenlose Vorträge an: www.resilienzzentrum-drk-rems-murr.de.